Garten

Wühlmäuse endgültig vertreiben: Fehler, Fallen, Schutz

Flache Hügel, welkende Stauden, verschwundene Tulpenzwiebeln. Der Verursacher ist in Deutschland meist die Große Wühlmaus, regional Schermaus genannt. Das Tier vermehrt sich rasant: Jungtiere sind nach etwa zwei Monaten fortpflanzungsbereit, pro Jahr folgen drei bis vier Würfe mit meist zwei bis sechs Jungen. Einzelaktionen verpuffen deshalb schnell. Dauerhafte Ruhe entsteht nur, wenn Bestimmung, gezielter Fang und baulicher Schutz ineinandergreifen.

Das Wichtigste kurz zusammengefasst:

  • Bestimmung zuerst: Die Schermaus ist nicht artengeschützt, der Maulwurf dagegen schon. Eine Gangprobe schafft Klarheit.
  • Fallen wirken: Fachstellen empfehlen mindestens zwei Fallen pro Fläche, in einem geraden Gangstück und ohne Lichteinfall.
  • Hausmittel enttäuschen: Ultraschall, Klappermühlen und Flaschen gelten als wirkungslos, Duftstoffe vertreiben allenfalls kurzzeitig.
  • Dauerschutz: Drahtkörbe mit rund 15 mm Maschenweite sichern einzelne Pflanzen, Gitter schützen ganze Beete.

Lassen sich Wühlmäuse überhaupt endgültig aus dem Beet vertreiben?

Eine Nullpopulation ist unrealistisch. Die Tiere leben unterirdisch, und Jungtiere besiedeln während der gesamten Vegetationsperiode neue Flächen; in Jahren mit günstigen Bedingungen wurden bis zu 700 Tiere pro Hektar erfasst. Realistisch ist ein dauerhaft niedriger Bestand, der Pflanzen nicht mehr gefährdet.

Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen rät dazu, möglichst sämtliche Flächen einer Kleingartenanlage oder eines Wohngebiets einzubeziehen. Wer allein arbeitet, räumt das eigene Beet, und von der Nachbarparzelle wandern neue Tiere nach. Gemeinsame Aktionen mit Nachbarn zahlen sich daher aus.

Schermaus oder Maulwurf? Erst bestimmen, dann handeln

Der Maulwurf ist durch die Bundesartenschutzverordnung geschützt, die Schermaus nicht. Eine Verwechslung ist deshalb heikel. Vor jeder Maßnahme steht die Befallsermittlung per Gangprobe: Gang öffnen, markieren, nach sechs Stunden erneut kontrollieren. Die wichtigsten Erkennungsmerkmale:

  • Hügelform: Schermaushügel sind flach, oval und oft seitlich vom Gang versetzt, Maulwurfshügel dagegen hoch und kegelförmig.
  • Hügelinhalt: Bei der Schermaus finden sich häufig Wurzelstücke und Pflanzenreste im Aushub, beim Maulwurf nur krümelige, reine Erde.
  • Gangquerschnitt: Schermausgänge sind quer-oval und breiter als hoch, Maulwurfsgänge hoch-oval.
  • Eingänge: Schermäuse legen Eingänge mit niedrigen Erdhügeln an.
  • Schadbild: Welkende Pflanzen, benagte Wurzeln und Rindenfraß an jungen Gehölzen sprechen für die Schermaus; der Maulwurf verursacht nur kosmetische Schäden durch Hügel.
  • Nahrung: Die Schermaus frisst Wurzeln, Knollen und Rinde, der Maulwurf Würmer und Insekten.
  • Reaktion auf geöffnete Gänge: Ein bewohnter Schermausgang wird binnen 30 Minuten bis sechs Stunden mit Erde verschlossen.
  • Maulwurf im Vergleich: Der Maulwurf stellt den Gang erst nach Stunden oder Tagen wieder her.
  • Besonders gefährdete Pflanzen: Blumenzwiebeln, Rosen, junge Obstbäume und Knollengemüse verschwinden zuerst.

Fallen: Was sich in der Praxis bewährt

Fachstellen schätzen Fallen als direkte Methode, weil sich der Erfolg zählen lässt. Das Pflanzenschutzamt Berlin bezeichnet sie nach etwas Übung als recht sicheres Mittel. Laut Bayerischer Landesanstalt für Landwirtschaft fängt die Topcat-Falle von beiden Seiten, die Neudorff-Falle verschont als einzige Maulwürfe und braucht zwingend einen Köder, am besten einen Apfelschnitz mit der harten Schale nach vorn. In lockeren Böden empfehlen sich beidseitig fangende Modelle, weil nicht beide Seiten gleichzeitig verwühlt werden.

Beim Aufstellen entscheiden Details über Fang oder Leerlauf. Als Standort taugt nur ein gerades Gangstück. Die Schritte im Einzelnen:

  • Verlauf der Gänge mit einem Suchstab ermitteln, der regelmäßig in den Boden gestochen wird.
  • Gang an einer geraden Stelle freilegen und die Falle passgenau in die Öffnung oder dicht davor setzen.
  • Neue Fallen zuvor einige Zeit der Witterung aussetzen, damit Fremdgerüche verfliegen.
  • Hände vor dem Aufbau mit Erde abreiben oder Handschuhe tragen.
  • Die Falle sicher fixieren und in Gangrichtung ausrichten.
  • Den Gang so abdecken, dass kein Licht hineinfällt; dringt Licht ein, wird die Stelle zugestopft.
  • Bei beköderten Modellen Möhre, Apfel, Kartoffel oder Sellerie verwenden.
  • Mindestens zwei Fallen je Fläche einsetzen, bei größeren Flächen entsprechend mehr.
  • Nach einem Fang die Falle im selben Loch belassen, bis keine weiteren Tiere, etwa Jungtiere, mehr hineingeraten.
  • Bei starkem Befall die Fallen zwei- bis dreimal neu stellen.
  • Einsatz bevorzugt im Spätherbst oder zeitigen Frühjahr, wenn Nahrung knapp ist.
  • Leimfallen meiden, sie widersprechen dem Tierschutzrecht; Rohrfallen können Vögel gefährden.

Zwei Fehler kosten besonders oft Wochen. Erstens haftet an der Falle der Geruch der Hände, und der Gang bleibt ungenutzt; manche Ratgeber empfehlen Möhrenabrieb, die LfL hält das für unnötig, wichtiger ist Erde an den Händen. Zweitens fällt Licht in den Gang, die Schermaus verschließt ihn binnen Stunden, und die Falle bleibt leer.

Giftköder und Gas: Grenzen der chemischen Wege

Köder und Begasung zählen zu den chemischen Wegen. Köder gehören ausschließlich in geschlossene Stationen, damit Vögel und Haustiere nicht herankommen. Für Begasung wird in Fachratgebern ein Begasungsschein genannt, es gelten also strenge Anwendungsvorschriften. Für den Hausgarten stehen mit Fallen und Barrieren Alternativen bereit.

Hausmittel im Check: Viel Aufwand, wenig Wirkung

Falle Maus
Tiere/Tierwelt, Parks/Im Freien/shutterstock.com

Klappermühlen, Windräder, eingegrabene Flaschen, Klopfschall und Ultraschallgeräte haben sich laut Landwirtschaftskammer NRW als wirkungslos erwiesen. Stark riechende Substanzen wie Fischlake und Pflanzen wie Knoblauch, Wolfsmilch oder Kaiserkronen bewirken höchstens ein kurzzeitiges Vertreiben. Danach bleibt der Befall bestehen.

Die Einschätzungen der Fachstellen lassen sich so bündeln, dass der Wirkungsvergleich der Maßnahmen auf einen Blick sichtbar wird:

Maßnahme Einschätzung der Fachstellen Geeignet für
Beidseitig fangende Schlagfalle Bewährt, Nebenfang von Maulwürfen je nach Modell möglich Beete, Rasen, Obstgarten
Drahtkorb (ca. 15 mm Maschenweite) Schützt einzelne Pflanzen, senkt den Bestand nicht Obstbäume, Rosen, Stauden
Barrierezaun, 1 m hoch, 50 cm eingegraben Sinnvoll auf kleinen Flächen Gemüsebeet
Duftstoffe, Knoblauch, Kaiserkronen Höchstens kurzzeitige Wirkung Kaum geeignet
Ultraschall, Klappermühle, Flaschen Als wirkungslos eingestuft Nicht empfohlen
Leimfalle Widerspricht dem Tierschutzrecht Nicht zulässig

Baulicher Schutz statt Dauerkampf

Wühlmäuse und Schermäuse dauerhaft aussperren: Körbe und Gitter

Für Bäume bietet ein Drahtkorb aus Maschendraht mit etwa 15 mm Maschenweite sicheren Schutz, so die Landwirtschaftskammer NRW. Im Obstbau werden höchstens zwei Zentimeter genannt, manche Anbieter raten zu noch engeren Maßen, weil sich junge Tiere sonst durchzwängen könnten. Der Korb muss den Ballen von allen Seiten, auch oben, lückenlos umschließen. Offene Nähte machen ihn wertlos.

Auf kleineren Flächen wie dem Gemüsebeet sind Barrierezäune denkbar. Gängige Empfehlung: Maschendraht von etwa einem Zentimeter Maschenweite und einem Meter Höhe, von dem 50 Zentimeter tief eingegraben werden. Die übrigen 50 Zentimeter ragen aus der Erde.

Natürliche Feinde und Flächenpflege

Zu den wichtigsten natürlichen Feinden zählen Wieselarten, vor allem das Mauswiesel, sowie Greifvögel. Sie lassen sich durch Ansitzstangen, Reisighaufen und naturnahe Ecken fördern. Fallobst aufzusammeln und Gras kurz zu halten nimmt dem Nager zusätzlich Nahrung und Deckung; die Flächenpflege im Spätsommer wirkt langfristig.

Häufige Fragen zum Thema (FAQ)

Darf eine Schermaus im Garten bekämpft werden?

Die Große Wühlmaus ist nicht durch die Bundesartenschutzverordnung geschützt, daher drohen für das Bekämpfen keine Bußgelder. Das Tierschutzgesetz bleibt anwendbar, Methoden mit unnötigem Leid sind unzulässig. Der Maulwurf steht dagegen unter Schutz, deshalb ist die Bestimmung vorab zwingend.

Wie schnell vermehren sich die Nager?

Jungtiere sind nach rund zwei Monaten fortpflanzungsbereit. Pro Jahr kommen drei bis vier Würfe mit meist zwei bis sechs Jungen zur Welt. In günstigen Jahren kommt es zu Massenvermehrungen mit bis zu 700 Tieren pro Hektar.

Helfen Ultraschallgeräte und Klappermühlen?

Nach Angaben der Landwirtschaftskammer NRW haben sich Klappermühlen, Windräder, aufgeschlagene Flaschen, Klopfschallvibratoren und Ultraschallgeräte als wirkungslos erwiesen. Auch die LfL führt diese Geräte unter Maßnahmen mit nicht gesicherter Wirkung.

Wann ist die beste Zeit für Fallen?

Empfohlen werden der Spätherbst und das zeitige Frühjahr, wenn Nahrung knapp ist und Köder besser angenommen werden. Flächen für wertvolle Neupflanzungen sollten im Spätherbst durch Fangen und Bodenbearbeitung möglichst frei von Nagern gemacht werden.

Fazit

Dauerhaft gelingt es nur mit System: erst die Art bestimmen, dann Fallen sauber setzen, gefährdete Pflanzen mit Drahtkorb und Gitter sichern und Nachbarflächen einbeziehen. Hausmittel und Ultraschall binden Zeit, ohne den Bestand zu senken. Wer über mehrere Monate konsequent kontrolliert, hält die Population niedrig.


Quellen und offizielle Nachweise